Noch bevor Elena auf der Welt war, hatte ich mir fest vorgenommen, meine Tochter nicht so klischeehaft aufwachsen zu lassen. Kinder-Erziehung ohne Rollenklischees. In der Schwangerschaft habe ich persönlich NICHTS in rosa gekauft. Auch Barbies kamen mir nicht ins Haus, um von Anfang an klarzustellen, dass Männlein und Weiblein zwar nicht gleich aber gleich gut sind.

 

Schon als die ersten Geschenke fürs Baby ankamen, merkte ich allerdings, dass Jungs und Mädchen schon als Neugeborene unterschiedlich behandelt werden. Geschlechtertrennung fängt schon im Wochenbett an. In der Euphorie der Stunde fand ich sie alle süß, die pinkfarbenen Grußkarten, sogar die rosa Strampler mit Rüschchen und die winzigen Püppchen-Schuhe.

Warum Jungen-Kleidung für meine Tochter?

Als es dann aber darum ging, das Kind für den Alltag einzukleiden, griff ich schnell zu den neutralen Klamotten. Manchmal könnte man meine Tochter tatsächlich für einen „echten“ Jungen halten, in ihren blauen Pullis und Jeans. Ohne dass wir es intendieren und oft ohne es zu wissen, fördern wir in unserer Haltung und mit unserem Verhalten Rollenklischees. Nicht nur dass ich meinem Sohn, dass rosa Höschen ausreden würde! Auch meine Tochter wurde letztens von mir angejubelt als sie so süß mit meinen Stöckelschuhen durch die Wohnung stampfte. Ich bin also keineswegs frei von Rollenklischees.

Nein zu Geschlechterstereotypen. Ja zu Kinder-Erziehung ohne Rollenklischees

Obwohl ich Gleichberechtigung und feministische Bemühungen sehr wichtig finde und aktiv versuche, ein starkes Mädchen ohne rosa Aura aufzuziehen, lebe ich ungewollt Geschlechterstereotype. Wir hängen also in Geschlechterrollen fest, die wir in unserem Denken teilweise schon überholt haben. In einer „nicht-geschlechtsneutralen” Gesellschaft ist es nicht möglich „geschlechtsneutral” erzogen zu werden. Man kann als Eltern aber, insbesondere bei Kleinkindern, bewusst gegen Geschlechterstereotypen arbeiten. Das beginnt damit, das Geschlecht nicht zu sehr in den Vordergrund zu stellen und es zum Beispiel als Erklärungsmuster für ein Verhalten zu nutzen. Oder auch, indem man Jungen und Mädchen nicht mehr ganz natürlicherweise als zwei geteilte Gruppen betrachtet und anspricht.

Kinder imitieren, was sie sehen!

Kinder bekommen Unterscheidungen von Anfang an mit und schauen sich alltägliche Verhaltensweisen in ihrem Umfeld ab. Zunächst bei den Eltern, aber auch bei Freunden und in den Medien. Wie wir als Eltern uns im Alltag verhalten, spielt also eine große Rolle. Eine Herausforderung. Vieles läuft auch in eigentlich gleichberechtigten Haushalten noch traditioneller als gedacht. Wenn der Vater immer die schweren Sachen trägt und sich nach der Arbeit bis in die Nacht mit einer Flasche Bier in der Hand auf die Couch legt – während Mama am Putzen und Kochen ist? Dann wird es das Kind wahrscheinlich auch so imitieren.

 

Ihr habt bestimmt auch schon des Öfteren gehört, dass Jungen nicht weinen und Mädchen sich nicht schlagen sollen. Diese Aussagen gehen darauf zurück, dass in unserer Gesellschaft eine klare Vorstellung davon besteht, welches Verhalten als männlich und welches als weiblich einzuordnen ist. Es heißt, Frauen seien sensibel und emotional. Männer hingegen sind durchsetzungsfähig und praktisch veranlagt. Das mag auf einige Männer oder Frauen zutreffen, ist bei anderen jedoch genau andersherum. Auch eine Mischung aus allen Eigenschaften ist möglich.

Ich behandle beide Kinder geschlechtsunabhängig

Mein Sohn muss genauso seine Spielsachen wieder wegräumen oder nachdem er etwas ausgeschüttet hat „trockenwischen“ wie seine Schwester. Beide boxen und tanzen unheimlich gerne. Er darf genauso mit Puppen spielen und die Spielküche benutzen wie sie mit Autos oder Fußbällen spielen darf. Nicht im Traum fällt mir ein, einen von ihnen darauf aufmerksam zu machen, dass dies eigentlich ein „Jungen- oder Mädchenspiel“ wäre. Auch kein Herzensbrecher soll mein Sohn später mal werden. Ganz im Gegenteil, Frauen UND MÄNNER sollen mit Liebe, Respekt und genauso behandelt werden, wie man selbst wünscht behandelt zu werden. Von Anfang an wird klar gemacht, dass man mit Gefühlen anderer nicht spielt. Meinem Sohn wäre doch bestimmt irgendwann auch nicht Recht, wenn seiner Schwester mal das Herz gebrochen werden sollte.

Leider sind solche Klischees immer noch sehr stark in den meisten Köpfen verankert da sich im Laufe der Zeit in unserer Gesellschaft bestimmte Verhaltensmuster und -zuschreibungen als normal oder angebracht durchgesetzt haben.